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Am 24. September
2006 konnte ich mir endlich einen lang gehegten Traum erfüllen.
Einen Tag lang Modena fahren. Ich durfte zwar
schon des öfteren Wagln der Scuderia bewegen, aber leider nie lange genug
um sich wirklich gehen zu lassen.
Wie fühlt sich das Ding nun an? Überraschend positiv. In Punkto
Verarbeitungsqualität haben die Burschen aus Maranello gegenüber
dem 355er ein sattes Scheiberl nachgelegt. Man hat nun wirklich das Gefühl
in einem Auto zu sitzen. Das Interieur wirkt stabil und
man muss beim ausprobieren der verschiedenen Schalter keine Angst mehr
haben, dass diese gleich kaputt gehen.
Hinzu kommt was ich gerne den "TT-Effekt" nenne. Durch das lange Dach
braucht man eigentlich nie eine Sonnenbrille.
Es wäre aber kein Ferrari wenns nicht so kleine störende Details geben
würde. Warum zum Beispiel können die
Fenster
nicht ganz versenkt werden? Man hätte doch nur die Dichtung ein
Stückerl weiter rauf bauen müssen.
Wäre dann wahrscheinlich ein viel zu vernünftiges Fahrzeug geworden und
das wollen wir ja auch wieder nicht, oder?
"Vernunft"...dieses Wort ist hier eigentlich völlig fehl am Platz. Das
merkt man schon wenn man im 360er sein persönliches
Setup einstellt. Wie stell ich jetzt die Außenspiegel ein? So das ich
vernünftig die von hinten kommenden Fahrzeuge sehe, oder so
das ich doch einen Blick auf den hinteren
Lufteinlass habe? Dilemma, Dilemma. Weil ma grad bei den
Spiegeln sind.
Warum man in Italien bei einem so unübersichtlichen Auto keine
asphärischen Außenspiegel verbaut bleibt schleierhaft.
Die Platzverhältnisse im Innenraum sind enorm, so daß auch ausgfressene
Millionäre genügend Platz finden.
Leider sind Ablagen für Kleinzeugs wie Handy, Tschick, Stahlrute, etc
Mangelware. Also nur bedingt Zuhältertauglich.
Aber simma uns ehrlich...drauf gschissen. In Maranello dachte man wohl
ähnlich, als man das Layout für den Tacho
präsentierte. Kinkerlitzchen lass ma aus, nur das Wesentliche wird dem
Fahrer angezeigt.
50, 110, 170, 230, 290, 340. Das sind die Eckpfeiler die den Piloten im
Kampf zu interessieren haben.
Der Rest steht dazwischen irgendwo dazugefizelt und wers genauer haben
will, wartet halt auf die Zielfotos der Rennleitung.
Wenn der fette V8
im Gnack mal zum atmen anfängt interessieren einem die fehlenden
Ablagen genau überhaupt nimma.
Die angeblich aus der Formel 1 entnommene "F1" Schaltung hinterlässt eine
gespaltene Meinung.
Einerseits kann man die Rodel damit sehr entspannt fahren und sogar
Fahranfänger sollten damit keine gröberen Probleme haben.
Ein -oder noch besser zwei- Gänge runterhageln, rechter Fuß auf Anschlag und der
V8 fängt zum schreien an dass es eine Freude ist.
Die Gänge bleiben auch bei erreichen des Drehzahlbegrenzers eingelegt und
es wird nicht von alleine weiter geschaltet.
Einzig wenn man sich dem Stillstand nähert, wird brav Gang für Gang runter
geschaltet.
Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Das Hochschalten zum Beispiel
erledigt das DSG Getriebe der VAG Gruppe um einiges
schneller. Das Automatikprogramm des 360ers ist weit von einem sich an den
Fahrstil anpassenden Getriebes entfernt.
Just dann wenn man Leistung haben will meint Kollege F1 er möchte aber
jetzt lieber eine höhere Fahrstufe einlegen. Das nervt.
Aber der grösste Minuspunkt des F1 Getriebes sind die starren Paddels, die
nicht mit dem Lenkrad mitgehen.
Das hat BMW beim neuen M5 eindeutig besser gelöst. Sogar der 3,2 Liter TT
hatte am Lenkrad positionierte Schaltwippen.
Kommen wir nun zum sehr schön unter Glas präsentierten Herzstück, dem 3,5
Liter V8 Motor des Modena.
Was Ferrari aus diesen acht Häferln herausholt ist jedesmal wieder
beeindruckend. Egal ob in der Sechser bei 50 oder in der Fünfer
bei 200, das Viech hat einfach immer ausreichend Leistung zur Verfügung.
Von 1500 bis 8600 Umdrehungen gibts Schmalz im
Überfluss. Vom Keller bis etwa 4000 gibts Grummeln wie wenn Papa Bär auf
Mama Bär hängt, ab 4000 schreit das Ding wie ich
wenns keine Spare Ribbs mehr gibt. Einfach eine Freude. Natürlich will der
rote Bär auch gefüttert werden.
Bei adäquater Fahrweise genehmigt sich das Viech aus Maranello schon mal
seine 35 Liter auf 100 Kilometer.
Sind beide Fenster geschlossen hört man die 40 Ventile so richtig schön
rasseln, als ob jemand Mozarts Zauberflöte auf einer
Nähmaschine nachspielen würde.
Das Fahrwerk ist
straff, aber nicht bestialisch hart. Bodenschwellen können ganz
normal passiert werden, nur kurze Stösse werden
quasi ungefiltert an die Passagiere weitergegeben, vor allem wenn man die
Fahrwerkseinstellung "Sport" aktiviert.
Liegen tut das Ding sehr ruhig und satt. Trotzdem merkt man im Vergleich
zu Fahrzeugen mit Frontmotor das fehlende Gewicht an
der Vorderachse. So fängt der 360er bei gewissen Lieblingskurven schneller
vorne zum abschmieren an als zum Beispiel mein SL.
Das kann der versierte Pilot aber mit einem kurzen Gasstoss kompensieren.
Die Anstriebsschlupfregelung ASR arbeitet in Verbindung mit der
Stabilitätskontrolle erstklassig zusammen.
Obwohl ich eigentlich nicht so der Freund solcher elektronischen
Helferleins bin, gibt es bei einem Selbstbehalt von rund 7000 Euro
doch ein angenehmes Gefühl der Sicherheit. Seine Daseinsberechtigung
beweist das ASR bei so ziemlich jedem Beschleunigungs-
vorgang. Zweite ausgedreht, 3er nachgeschlichtet *bamm* "ASR active"
erscheint am Display unter dem Drehzahlmesser.
Und das obwohl in den hinteren Radkästen Pirelli P-Zero der Dimension
275/40/ZR 18 wohnen.
Was mich ein wenig enttäuscht hat war die Bremsleistung. Bei rauher
Fahrweise trat ein deutliches fading auf und der Druckpunkt
des Pedals wurde deutlich unpräzise. Das sollte bei einem 300 km/h
Fahrzeug nicht wirklich sein.
Die Lenkung ist unheimlich direkt. Jede Bewegung mit den Händen wird
sofort in Bewegung umgesetzt. Das in Verbindung mit einem
Fahrwerk welches keinerlei Seitenneigung zulässt deckt hemmungslos jede
Schwäche in der Nackenmuskulatur der Insassen auf.
Zu guter Letzt kommt natürlich noch ein Punkt, der bei fast keinem Auto
relevant ist. Der Faktor "Mythos".
Unglaublich wie sich eigentlich jeder nach dieser Dose umdreht. Egal
welches Alter, egal ob Manderl oder Weiberl, keinen
lässt dieser Wagen kalt. An jeder Kreuzung werden Fotohandies gezückt,
Leistungsdaten abgefragt und man wird
beinahe angefleht einmal kurz Stoff zu geben. Die Akzeptanz der
Geschwindigkeit ist unglaublich. Kommt man mit einem
lauten BMW oder Mercedes mit weit überhöhter Geschwindigkeit zu einer
Ampel, kann man schon in den Gesichtern der anderen
Menschen ablesen "Ma, wos isn des für a Sautrottl". Bei einem Ferrari
schaut die Gschicht schon wieder ganz anders aus.
Man blickt durch die Bank in strahlende Gesichter und meint die Leute
wären froh endlich jemanden zu sehen, der so ein Auto
mal so bewegt wie Gott das gewollt hätte und der nicht mit ledernen
Handschuhen am Volant sitzt und mit 40 km/h herum schwult.
Auf unserem Weg Richtung Dopplerhütte überquerte gerade ein gewisser
Giuseppe Zevola aus Napoli die Strasse. Er sah den
Ferrari, blieb mitten auf der Strasse stehen um ehrfürchtig die Motorhaube
zu berühren. In einem kurzen Gespräch erzählte er uns
er sei Künstler und sollten wir mal nach Italien kommen, müssen wir ihn
unbedingt besuchen kommen. Als Geschenk überreichte
er uns ein kleines Büchlein in dem wir mehr über seine Arbeit lesen
könnten.
Ehrlich, wann passiert einem sowas ohne einem Ferrari?
Fazit:
Der 360 Modena F1 ist ein grosses Stück Ingenieurskunst aus Maranello.
Selten tat es mir so weh ein Auto wieder zurück geben zu
müssen. Wenn die Schaltpaddels mit dem Lenkrad mitgehen würden und eine
Keramikbremserei verbaut worden wäre, wäre das Ding
eigentlich perfekt. Nicht auszudenken allerdings, wie dann erst ein Enzo
marschieren muss... |