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Nehmen wir uns doch heute mal dem Thema "Polarisierende
Autos" an. Wer
kennt das nicht, man schlägt eine Autozeitschrift auf
und denkt sich "Na Oida, saufen die???". Ich kann mich noch gut daran
erinnern als ich das erste mal Fotos vom Fiat Multipla oder
dem damals neuen E65 7er BMW sah. Meine ersten geistigen
Erklärungsversuchen waren, dass das Entwicklungsteam bei der
Weihnachtsfeier zu später Stunde in der Vollfettn irgendwas auf eine
Serviette gekritzelt hat und zum Nachbartisch rüber lallte
"Traust Di niiie so a Wagl baun". Der Sprecher von Tisch 2 meinte dann
wohl "Nau sog feig" und ein Jahr später wurde dann der
Multipla auf der IAA präsentiert. Gott sei Dank gibt es aber noch eine
andere Seite der Polarisierung.
Man denkt sich "Yesss!
That´s what i´m talking about".
So gings mir beim 129er SL, beim neuen Dodge Challenger SRT8 und
auch
beim Opel GT. In freier Natur sah ich ihn das erste mal bei der heurigen
Aspern Revival und hatte dort die Möglichkeit auszuprobieren
ob mein fetter Arsch zwischen Tür und Getriebetunnel Platz findet. Und
siehe da, er passte. Ohne Vaseline, Schuhlöffel und Boxencrew.
Das war bei seinem Vorgänger, dem Opel Speedster, ganz anders. Da hätte
ich wohl oder übel nach Rüsselsheim reisen müssen, mich dort
auf die Bodengruppe setzen und hoffen dass die Spengler die flotten
Schuhe anhaben bevor der erste Stuhlgang fällig ist.
Wennst jedes mal zum aussteigen die Flex brauchst, ist das relativ
wertlos.
Dank einer lieben Freundin war es mir möglich den neuen Roadster mal unter
die Lupe zu nehmen.
Mir war klar, dass man bei einem Listenpreis von knapp
35k€
keine Wunder erhoffen darf, aber wenn man durch jahrelanges
Sternsingen doch einen gewissen Standard in Verarbeitung und
Qualitätsanmutung gewohnt ist, hauts einem beim GT
schon a bissl den Beidl auf die Seitn. Obwohl die Instrumente, die Sitze
und die Spaltmaße durchaus ok sind, der Rest lässt
als Entstehungsort eher Entenhausen als Rüsselsheim erahnen. Wer noch
billigeres Plastik
angreifen möchte, wird wohl am
ehesten bei Toys ´r ´us oder Mattel fündig. Ein normaler Mensch denkt
spätestens hier, naja man kann das Interieur ja sicherlich
noch optional aufwerten. Mhmmm, nix da. Außer einer Metallic Lackierung
und einem besseren Soundsystem gibts genau nix
zum ordern. Kein Xenonlicht, kein elektrisches Verdeck, keine Sitzheizung,
gor nix. Opel gibt ein klein wenig Ausstattung vor
(Tempomat, Tschickanzünder,
Lenkradfernbedienung, einen abgespeckten Bordcomputer) und damit
Ende Gelände.
Das musste ich
mal verdauen als ich hinter dem Steuer des
Boliden Platz nahm. Obwohl "Platz nehmen" mit meiner Wampm
in dem Auto sehr relativ zu sehen ist. Ich habe Hosen, die sind weiter
geschnitten als der GT, aber ich überlebte die ersten fünf
Minuten ohne die Luft anzuhalten. Hier fiel mir die klassische "Lassen Sie
sich von COMAND nicht vom Strassenverkehr ablenken"
Wuchtel in den Luxus Sternchen ein. Opel sollte für beleibte Fahrer eine
"Lassen Sie sich vom GT nicht vom Atmen abhalten"
Warnung installieren. Könnte Leben retten.
Überhaupt definiert der GT den Begriff "Stauraum"
völlig neu. Am Papier stehen dem Piloten je nach dem ob das Verdeck
offen oder
zu ist 157
bzw. 66 Liter Ladekapazität
zur Verfügung. Da der GT in Amerika produziert wird, nimmt der
Sicherheitstank im
Verdeckraum den meisten Platz weg, was für Gepäck zwar in Länge und Breite
ca. 70cm Platz lässt aber nur 10cm in der Höhe.
Für einen Schallplattenhändler, der gerne seine Lieblings LPs Gassi führt
mag das verlockend klingen, aber wenn Otto
Normalverbraucher die Bananen in zwei Stücke teilen und von den
Zahnbürsten die Köpfe absägen muss um sie im GT
transportieren zu können, ist Frust vorprogrammiert. Fächer im Innenraum
gibts gar keine, außer einem kleinen Fach zwischen
den Sitzen zu dem man aber im Sitzen nicht wirklich dazu kommt. Zur
Krönung prangt auf der Einstiegsleiste ein Aufkleber
der mich davor warnt, die 192kg
Zuladung ja nicht zu
überschreiten. Hä? Wie 192 Kilo? Sollte jemand von Euch eine nette
30kg Single Äthiopierin bei der Hand haben, die ich mir für die nächste
Ausfahrt leihen kann, bitte mail an mich.
Sobald aber der
2 Liter Turbo
unter der nach vorne weg zu kippenden
Motorhaube seinen Dienst aufnimmt, der erste Gang
eingelegt ist und man das erste mal einkuppelt zeigt sich die Sonnenseite
des Opel GT.
Knapp unter 2000 Umdrehungen setzt der Lader ein und treibt den
Vierzylinder rasch in Richtung Begrenzer.
Ab 5000 Umdrehungen drückt das kleine Ding so richtig an. Das extrem
knackige
5-Gang Getriebe
macht enormen Spaß.
Die Kombination "Heckantrieb/Sperrdifferential/komplett
deaktivierbares ESP" ist
genau das, was der sportliche Fahrer
will. Wie aus einem Guss passt das auf Sport getrimmte Fahrwerk. Der Wagen
liegt im Grenzbereich extrem
neutral,
Untersteuern ist ein Fremdwort. Ist der Gasfuß zu ungehalten stellt
der GT brav seinen Arsch raus, genau so woll ma das.
Bei forschem Anfahren rauchts gleich mal ordentlich aus den hinteren
Radkästen und auf dem traktionstechnisch suboptimalem
Untergrund der Exelbergstrasse gibts auch hin und wieder mal einen kleinen
Powerslide im dritten Gang.
Fährt man auf gutem Untergrund wie zum Beispiel den Serpentinen von
Königstetten Richtung Dopplerhütte rauf, bietet
der Opel GT ein sehr gutes Maß an Grip, aber man hält sich halt an die
alte Weisheit "If it handles like on rails, you´re too slow",
schrauft auf der Geraden noch mal anständig an, schlichtet beim Anbremsen
die Einser nach, kuppelt nach und schon gehts perfekt
kontrolliert quer um die Ecke. Müsste man die Agilität in Sachen Oversteer
kategorisieren, würde ich ihn zwischen einem 170er SLK
und einem 129er SL im Nassen einordnen. Genau richtig und Dank der eher
direkten Lenkung braucht man beim Gegenlenken nicht
mal umzugreifen. Unterstützt wird der Pilot falls gewünscht von einem der
besten serienmäßigen Soundsysteme,
die ich je
in einem Cabrio gehört habe. Auch bei offenem Verdeck klares Staging und
enorm knackige Bässe. Und voll MP3 tauglich.
Die Geldbörse freut der Vollgasverbrauch von rund
14 Liter Super.
Fazit:
Der Opel GT reduziert aufs Wesentliche, nämlich aufs Fahren. Fegt man mit
dem Teil quer über die Dopplerhütte interessiert
man sich nicht mehr für Überaschungseier Plastik. Auch die nach knapp 5000
Kilometer sterbende Dachdichtung ist Schnee
von gestern. Man will mit diesem Auto einfach nicht nach Hause und genau
das macht ein Auto aus.
Würde ich einen Oscar für das optimale Zweitauto vergeben, der GT würde
ihn bekommen.
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